Im Mai fragte mich Steffi, was ich denn Silvester so vorhabe. Da ich bis Dezember im El Chorro bleiben wollte und dann auf die Kanaren, haben wir beschlossen eine Kletterreise auf Teneriffa anzubieten. Das daraus gleich zwei werden würden, hatte ich dann nicht erwartet. Den Bericht zu ersten Woche über Silvester könnt ihr hier nachlesen, der zur zweiten Woche folgt nun.
 

Samstag, 04.01.2020 – Anreisetag

Da alle beteiligten schon da waren, trafen wir uns in El Medano am Strand, um etwas Sonne zu tanken und ins Meer zu springen. Ausserdem mussten wir ja das beste eis in Teneriffa bei ice dreams essen 😉 wir schmiedeten den ersten Kletterplan für Sonntag und ließen uns im Supermarkt fürs Abendessen inspirieren. 

 

Sonntag, 05.01.2020 – Arico

Das „frühe“ Aufbrechen um 9 Uhr hat sich gelohnt: Wir waren die ersten im Canyon und hatten freie Routenauswahl. Anne und Stanco starteten gemütlich mit einer 5 ohne Namen, während Mike in die „Batracio“ (6b+) nebenan die Exen zum Aufwärmen einhing und dann im zweiten Go Rotpunkt habhakte. In der  „Casa la basca“ (6a) machten Stanco und Anne sich mehr oder weniger freiwillig Sturztraining und konnten am Top die Sonne genießen.
Weiter ging es für Mike mit der „Pena del lunes“ (6b) und der „Aceitunas“ (6c). Fußtechnik gab es in der „Los hombres grises“ (5) für Stanco und Anne. Anne stieg danach top motiviert in die „Oligoelementes“ (6a) ein und versuchte an der Schlüsselstelle einen kühlen Kopf zu bewahren. Stanco war davon so beeindruckt, dass er die erstmal im Toprope nachstieg 😉
Mike hatte sich als Ziel für heute eine 7b ausgesucht. Leider war die Wunschroute belegt, also musste er mit „Pinzatelo bien“ vorlieb nehmen. Nicht so schlimm, da er sie dann entspannt im Onsight klettern konnte. Glückwunsch zur ersten Onsight 7b!
Im vorderen Bereich des Canyons gab es für Stanco eine kurze Wiederholung des Umbauens am Top, das er dann auch gleich in der „Distorsion total“ (5+) umsetzten konnte. 
Anne ließ sich in der „Monica diabolica“ (5) zu sehr von ihrem Kopf beeinflussen und übergab nach der Hälfte das Vorstiegszepter an Stanco. Er konnte dann mit Motivation von unten die Tour flashen und Anne musste nach der Topropebegehung doch zugeben, dass die Tour wunderschön ist.
Eine kurze Dachtour „El techo“ (6b+) gab es dann noch für Mike bevor er sich auch an die „Monica diabolica“ machte, um dort seinen Vorsatz mehr Touren clean zu gehen umzusetzen.
Der bewölkte Himmel hat uns jedes Zeitgefühl genommen, wir waren die Ersten und Letzten am Fels. Nur unsere Mägen ließen uns die fast 8 Stunden am Fels spüren. Ab in die Finca zu Pasta und Gemüse!

Montag, 06.01.2020 – Planeta Zarza

Da heute Feiertag und gestern der Canyon ganz schön voll war, sind wir wieder früh aufgebrochen und wieder waren wir die ersten am Fels und hatten die volle Auswahl =)
In „Planeta Zarza“ (5+) legten Anne und Stanco wieder mit ein paar Flügen zum Sturztraining los und Mike wärmte sich an der Platte „Silverback gorilla“ (6b) auf. Beflügelt von seinem gestrigen Erfolg in der 7b ging es für Mike mit der „Babylon“ (7b+) weiter, während Stanco und Anne auch den silbernen Gorilla erklimmen wollten.
Diese beiden Routen wurden dann zu den Projekten des Tages. Leider stürzte Mike beim überragenden dritten Go kurz vorm Umlenker in der Krux, sodass diese Tour noch nicht auf seine Ticklist kam. Stanco stieg nach der guten Topropebegehung dann in den Vorstieg bei „Silverback Gorilla“ ein und kam bis zur Cruxplatte. Auch Anne kämpfte an der Platte mit ihrem Kopf und stieg dann am Ende lieber nochmal entspannter im Toprope ein.
Stanco war am Einstieg in die „In memorian“ (6a) noch voll motiviert, merkte aber in der Mitte, dass seine Muskeln schon etwas platt waren. Das Top wurde natürlich trotzdem erreicht und Mike nahm die Tour auch noch als Abschluss mit.

Auf der Suche nach einem guten Abendessen landeten wir in Abades in der Pizzaria Amichi. Satt, platt und voll zufrieden reichte die Energie noch für eine Dusche und eine kleine Dehneinheit.

 

Dienstag, 07.01.2020 – San Marcos

Auf ging es in den „saftigen“ Norden. Schon auf der Fahrt wurde es immer grüner und am beeindruckenden Felsmassiv von San Marco standen wir gefühlt im Dschungel mit Blick auf die kleine Bucht.
Anne und Stanco wollten heute wieder an ihrer Fußtechnik arbeiten und stiegen mehrmals in „Lo que no es tener un sacho“ (6a), „Dinamica Atmosferica“ (5+) und „Trio norte“ (5+) ein, während Mike sich an der „Anemia“ (6a+) warm machte. Weiter ging es für ihn unter anderem in der „Atalaxia“ (7a). Mit dem Meeresrauschen im Hintergrund verging die Zeit wie im Flug und als Abschluss kletterten noch alle die „Mierda pa pedriza“ (5+), laut Topo eine Treppe ohne Arme 🙂
Als Absacker gönnten wir uns am Meer noch Tiramisu, Schokopudding, Schoko- und Apfelkuchen bei einem sehr zuvorkommenden italienischen Kellner. Dann hieß es noch einkaufen. Nicht so einfach, da gestern Feiertag war und der Supermarkt voller Menschen und schon vielen geleerten Regal war, aber wir kamen noch zu unserem Essen.

 

Mittwoch, 08.01.2020 – El Hoyo

Der Zustieg zum Sektor war schon fast das abenteuerlichste, denn wir mussten uns abseilen. Für Stanco sogar das erste Mal!
In der Aufwärmtour für Stanco und Anne entpuppte sich leider der Anfang als Crux und der leichte Rest als Taubentoilette. Mike hatte mit seinen ersten Touren „Kong“ (6a) und „King“ (6c) mehr Glück und konnte auch wieder in „Fisura“ (5+), „Fisurini“ (5+/6a) seine Keile und Friends einsetzten. Weiter in Canyon warteten noch „La jamonica“ (5+) auf Stanco und Anne, bevor die Stanco als Tagesprojekt die „Omega“ (6a) aussuchte. Anne gefiel die auch und so konnten die beiden das als Team nach ein paar Versuchen und Fluchen lösen. Nebenbei wurde natürlich auch das Sichern geübt und spätestens bei „Verfluchte S****** SEIL!“, sollte man schnell reagieren 😉 Mike konnte seine „kleinen“ Projekte „El arbolito“ (6c+) und „Vaderetro“ (7a+) im zweiten Go lösen.
Das Eis und den Cappuccino am Strand von Abades hatten wir uns danach redlich verdient. Auch der Besuch im Kletterladen „Magensia“ war von Erfolg gekrönt: Ich konnte meine neubesohlten Schuhe abholen und Anne ergatterte eine Seilbürste. Bei dem Staub in manchen Canyon auf jeden Fall eine gute Investition!

 

Donnerstag, 09.01.2020 – El Rio

Nach den letzten Tagen im Canyon hatten wir alle mal wieder Lust auf Sonne, also ab ins Hausgebiet El Rio. 
Solange die ersten Routen im Sektor Presa noch im Schatten waren, tobten wir uns dort an den Platten von „La entrucijada“ (5+), „La tuqueque“ (5+), „La rambosa“ (6a) und „Granitos de arena“ (6a) aus.
Mike zog es dann zur „Madmoiselle Amsterdam“ (7b+), die er im dritten Go abhaken konnte. Nicht so einfach, da die Sonne das Platten treten etwas erschwerte. Stanco ließ den Tag etwas ruhiger angehen und Anne schaute sich noch „The friction slab“ (6a) an bevor es an die entspannen 5ern im Sektor El Acebuche weiterging. Die Sonne trug den Ruf des Eises zu uns, also ging es mit platten Füßen nochmal nach Abades zum Italiener unseres Vertrauens.

 

Freitag, 10.01.2020 – Planeta Zartza, die Zweite

Zum zweiten Mal stiegen wir ab in die Schlucht, Mike musste ja seine 7b+ abholen und Stanco wollte seine 6a sauber klettern. Anne ging den Tag ganz entspannt an und kletterte die „Risk it for a biscit“ (5+) und „In memorian“ (6a) im Toprope, das Stanco motiviert einhängte.
Mike hatte etwas Pech in der „Babylon“ 7b+. Nach dem Aufwärmgo zum Einhängen der Exen flutete eine Wolke den Canyon und die Crux beim Umlenker wurde nass. Da leider keine Besserung in sich war, musste er die Tour abbauen. Den Topropego dafür machte er aber souverän ohne Probleme. Rotpunkttoperope quasi 😉
Durch den Wetterumschwung wurde auch die Klettermotivation gedämpft und nach ein paar Kekse, Bildern und versuchten Figure of Fours beschlossen wir schon um 15 Uhr Richtung Eis zu fahren. Dort erwartete uns Sonnenschein und Wind. Perfekt um den Strand von Abades etwas zu erkunden und Sonne zu tanken.
In der Finca machten wir uns an die Resteverwertung und zauberten eine leckere Tomatenthunfischgemüsesoße mit Nudeln =)
Das Highlight war dann noch das Vollmondklettern! Die Wolken verzogen sich und wir hatten perfekte Bedingungen am Fels für 2 entspannte 5er im Mondschein!

 

Samstag, 11.01.2020 – Abreisetag

Für Mike war dies der Abreisetag, aber er Anne und Stanco gönnten sich noch einen Ruhetag zusammen mit Churros und ein letztes Mal Strand, bevor zurück ins kalte Deutschland ging.​ Auch ich durfte noch ein wenig privat bleiben, um mich am Fels und an bekannten und neuen Sektoren auszutoben. Dazu gibt es jetzt aber keinen Bericht 😉

Wie immer am Ende unserer Berichte bleibt uns nur zu sagen:

DANKE!!! An die tolle und entspannte Gruppe, mit der ich auch die zweite „Arbeits“-Woche auf Teneriffa in schöner Atmosphäre erleben durfte.

Würde uns freuen auch dich, lieben Leser oder liebe Leserin, mal auf einer unserer Kletterreisen kennen lernen zu dürfen. Lies hier, wie Kristina die erste Woche in Teneriffa verbracht hat.